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WEIT VON HIER steht ein Kind und schaut mich an.

Festgehalten auf einer kleinen Fotografie, die nun mehr 25 Jahre in einem Flip-Album aus Lederimitat steckt. Mir kommt dieser Mensch bekannt vor, vielleicht, weil mir mein Vater versichert, dass ich es wäre, den er damals fotografiert hat.
Doch an alles, was mir dieses Bild zeigt, erinnere ich mich nicht. Der abgebildete Ort ist mir genauso fremd, wie die Kleidung des Kindes und die Situation, in der das Foto entstanden ist. Ich schaue das Kind an und sehe ein Kind.
Ich betrachte das Bild immer wieder, in der Hoffnung, mich diesem Kind näher zu fühlen. Ich möchte mich erinnern, wie es war Kind zu sein.
Doch ist eine Fotografie dazu überhaupt fähig? Oder täuscht sie am Ende Erinnerung vor, an der ich gedanklich hängen bleibe, und verwehrt mir so den Zutritt, zu dem, was ich suche.
Mir fällt im Hintergrund des Fotos ein Detail auf. Ein Ast, der schräg über das Gestrüpp am Waldesrand hängt und einen merkwürdigen Eingang zu bilden scheint. Ich vergrößere diesen Ausschnitt als eigenständiges Bild und fühle mich plötzlich versetzt in eine Situation aus meiner Kindheit.
Ist es möglich, dass die Fotografie doch etwas beinhaltet, das nur gefunden werden muss?
Über Ausschnitte, die ich aus weiteren Amateurfotos meines Vaters vergrößere, kreiere ich Erinnerungsbilder, die das Kind in mir selbst aufzuspüren versuchen und eine Gefühlswelt aufzeigen möchte, die für alle Erwachsenen weit zurückliegt. Das Konzept der Suche ist für mich dabei ebenso wichtig, wie die Fotografien als solche.